Von witzigen Nonnen und Totentanzfahrten mit dem Tuk-Tuk

Unsere Awardreise neigt sich dem Ende zu und wir lassen unsere Eindrücke Revue passieren: Ein typischer Tag hier in Indien ist geprägt von der unglaublichen Anzahl Menschen, dem ständigen, nervenraubenden Hupen, der grossen Varietät an Gerüchen, der von uns als irritierend empfundenen Körpergeräusche, der grossen Aufmerksamkeit, welche uns gewidmet wurde (insbesondere der ständigen Anfrage nach sogenannten „foreign selfies“) und dem Blick in die Augen des Todes beim nächtlichen Tuk-Tuk-Fahren. Trotz dieser Reizüberflutung sind wir noch immer sehr fasziniert von diesem Land sowie seinen Leuten und sind äusserst dankbar für diese Erfahrung. Auch in den letzten Tagen durften wir inspirierende und sehr erfolgreiche Projekte besuchen.

Kürzlich haben wir Caritas Schweiz in Patna einen Besuch abgestattet. Eine Mitarbeiterin hat uns über das Phänomen des Menschenhandels in von Naturkatastrophen (Flut und Dürre) heimgesuchten Gebieten informiert. Insbesondere Familien mit Töchtern sind gefährdet. Aufgrund des dowry-Systems, bei welchem die Familie der Tochter ihrem künftigen Ehemann eine Mitgift schenken muss, sind Mädchen eine grosse finanzielle Belastung. Menschenhändler nutzen die durch die Naturkatastrophen noch verschlimmerte Situation der Familien aus. Sie machen ein finanziell attraktives Heiratsangebot und verheiraten das Mädchen anschliessend an mehrere Männer, welche sie sexuell ausbeuten, oder verkaufen sie an ein Bordell. Caritas Schweiz baut Bildungszentren auf, in welchem die Kinder und ihre Eltern über dieses Phänomen aufgeklärt werden. Dieses Projekt hat uns an das Domestic Workers Forum in Delhi erinnert, da in denselben Gebieten auch zahlreiche Hausangestellte rekrutiert werden.

In unseren letzten Tagen hier in Darbhanga hatten wir dank der Organisation NMKK auch noch die Gelegenheit, diese ärmlichen Katastrophengebiete selbst zu entdecken. NMKK schien uns einen sehr umfassenden Ansatz zu verfolgen. Sie geht die sozialen Probleme im ruralen Indien auf verschiedenen Ebenen an und arbeitet direkt mit der lokalen Bevölkerung zusammen. Die NGO ist unter anderem in den Bereichen der Bildung, der Gesundheit und der Mikrokredite tätig. NMKK wird durch einen Nonnenorden geführt. Wir haben uns mit den drei in Darbhanga zuständigen Nonnen äusserst gut verstanden und stets amüsiert. Wir fühlten uns zu Hause bei ihnen, hatten anregende Gespräche und lernten nochmals einiges über die indische Gesellschaft. Sie haben uns so sehr beeindruckt, dass wir uns sogar überlegt haben, ob wir in Anbetracht der beschränkten Möglichkeiten einer Frau in Indien hier nicht denselben Weg eingeschlagen hätten.

Wir freuen uns auf einen letzten erlebnisreichen Tag mit den Nonnen und verabschieden uns schweren Herzens von diesem farbenfrohen, faszinierenden Land.

VOR 18 Tagen